Sicher unterwegs


Sicher unterwegs mit Kleinkindern im Straßenverkehr

 

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Wie können wir die Anzahl der radfahrenden Kinder im Verkehr vergrößern?

Seit dreizehn Jahren mache ich Rad- und Verkehrstraining für Kids im realen Straßenverkehr. Dabei habe ich viele Erfahrungen in der Praxis gesammelt und habe somit mein eigenes Konzept entwickelt. In all den Jahren hatte ich keinen einzigen Verkehrsunfall. Ich habe es zu meinem Job gemacht, einen sicheren Weg für die Kids zu finden. Es ist viel Verantwortung, aber so wie die Kids das alles aufnehmen, ist es das alles wert.

Ich bekomme keinerlei Unterstützung. Aber die Leute, die mir ihre Kinder anvertrauen, wissen warum sie sie mir anvertrauen.

Wir können viele Theorien entwickeln und diskutieren, wie wir alles besser machen könnten, aber es gibt nichts Besseres, als es in die Praxis umzusetzen.

Seit geraumer Zeit gibt es verschiedene Radtrainer in ganz Österreich, die Training für Volksschulkinder im abgesicherten Raum anbieten. Kann es genug sein, erst mit sechs Jahren zu beginnen, ein bis zwei Mal im Jahr zu trainieren und immer nur im abgesicherten Raum zu üben? Kann das den Kindern und natürlich auch den Eltern genug Sicherheit geben, sicher auf den Straßen unterwegs zu sein?

Wie wäre es, wenn wir das alles anders machen? Wenn wir dieses Training in die Kindergartenzeit verlegen würden, wo die Kinder für alles Neue offen sind. Die Kinder haben auch noch viel mehr Zeit.
Kinder ab zweieinhalb Jahren sind wie Schwämme, sie nehmen alles auf. Es ist die beste Zeit mit ihnen auf die Straße zu gehen oder zu fahren, ihnen zu erklären, wie sie sich sicher bewegen können. Wir Menschen müssen alles lernen von klein an. Der Straßenverkehr wird auch nicht weniger. Wir müssen also lernen umzugehen mit dem, was jetzt ist. Sind wir der härtere und der stärkere Teil im Verkehr? Nein, wir sind sehr verletzlich. Ab dem Kindergartenalter können die Kinder das wahrnehmen und sie sind wahnsinnig neugierig. Es ist fast wie eine Sprache, eine Sprache, die wir früh lernen, werden wir nie vergessen.

Wenn wir unsere Kinder aufmerksam machen, ihr Gehör zu benützen und zu trainieren, dann können sie ziemlich früh erkennen, von welcher Richtung ein Geräusch kommt. Es ist wichtig, von Anfang an alle Sinne zu benützen und sie zu trainieren.

Also wie beginne ich mit dem Rad- und Verkehrstraining? Natürlich springen wir nicht sofort in den Verkehrswahn. Wir schauen mit den Kids als allererstes ein Auto an, wir erklären, was die Lichter bedeuten. Jedes Kind hat die Chance im Fahrersitz zu sitzen. Das Kind schaut dann: „Kann ich meine Freunde hinter dem Auto sehen?“ So bekommen sie selbst eine Einsicht wie es für jeden Autofahrer ist.
Es wird manchmal gesagt, dass wir Augenkontakt mit dem Fahrer herstellen sollen. Probieren Sie es einmal aus von der Sicht des Kindes.

Immer wieder höre ich, dass die Kids überfordert sind. Ich sage, das Gegenteil ist der Fall. Sie lieben es, wenn sie ab 3 oder 4 Jahren an der Spitze der Gruppe fahren. Sie sind sehr stolz: „ICH kann das.“

Im realen Verkehr zu fahren, das heißt auch, sich an den Lärm zu gewöhnen. Es ist nichts Neues mehr, wenn sie später in der Schule den Radführerschein machen. Es bringt sie nicht mehr aus der Konzentration, auch dann nicht, wenn ein LKW oder ein Bus an ihnen vorbei fährt.

Wir sind der weichere Teil im Verkehr. Es ist egal, ob wir im Recht sind. Wir müssen trotzdem weichen vor den Autos, denn sie sind stärker, auch wenn sie den Fehler machen. Wir müssen also immer aufmerksam sein und in alle Richtungen schauen, auch wenn wir fahren dürften und wir Vorrang hätten.
Es wird auch immer wieder gesagt, wieso lernen Sie den Kids die Verkehrsregeln, aber setzen die Eltern das fort? Was bringt das? Es hilft sehr viel. Erstens wissen die Kinder für sich, wie es geht und zweitens machen sie ihre Eltern darauf aufmerksam, wenn sie einen Fehler machen.
Ich fahre einmal pro Woche mit den Kindern – bei jedem Wetter. Sie sollen auch lernen, mit den verschiedenen Wetterbedingungen umzugehen.

Wenn die Kids regelmäßig fahren, dann vergessen sie nicht, was sie ständig lernen. Wir können ihnen sehr viel vermitteln bis sie zur Schule gehen. Immer wieder höre ich von den Eltern, dass beim ersten Klassenverkehrstraining mit der Polizei den Kindern langweilig wurde. Sie sagen: „Das haben wir alles schon bei Giles gelernt.“ So sollte es sein, aber nicht nur von meiner Gruppe, sondern von jedem Kind in Österreich. Sie sollten bereits im Kindergartenalter lernen, wie sie im Straßenverkehr, der immer mehr wird, sicher fahren oder gehen können.

Die Touren, die ich mit den Kindern mache, sind eingepackt in ein Abenteuer. Wo wollen wir gern hinfahren, wie kommen wir sicher dort an? Wie kommen wir sicher zurück? Was bedeuten die Schilder überall? Haben die etwas mit uns zu tun? Da sind unzählige Kleinigkeiten unterwegs, wie gehen wir mit all dem um?

Zum Beispiel: Was machen wir beim Verkehr, der in zwei Richtungen fährt? In der Mitte der Straße ist nur ein dünner weißer Strich. Es gibt keinen Platz für ein Rad zum Stehen bleiben. Wir wollen aber die Straße überqueren. Es gibt keine Ampel und keinen Zebrastreifen. Das links kommende Auto bleibt stehen und winkt uns rüber. Lassen wir die Kinder fahren? Nein, wir haben nur das Einverständnis von einer Seite, die rechts kommenden Autos wissen nichts davon. Also ist es besser, wir winken das Auto vorbei oder wir wenden uns von der Straße ab. Können die Kids rüberfahren oder ist da eine Gehsteigkante gegenüber? Wenn ja, dann müssen sie rüberschieben. Können die Kids ihr Rad über die Kante heben? Da gibt es einen effizienten Weg für die Kids.

Wie gehen wir um, wenn die Kids auf dem Gehsteig fahren? Wer hat Vorrang? Sie teilen den Gehsteig mit Fußgängern und manchmal mit Hunden. Wie gehen wir damit um? Es gibt unzählige Kleinigkeiten, auf die man erst in der Praxis stößt. (Loch in der Mauer- Ausfahrt)

Ein positiver Nebeneffekt, den wir bemerkt haben, ist, dass der Verkehr insgesamt langsamer wurde, wenn wir mit einer großen Gruppe Kids unterwegs waren.

Um das alles weiterführen zu können, brauche ich Unterstützung.